Stadtbildkorrekturen

Trotz widriger Wetterumstände waren am 14. Mai 2019 mehr als 30 Interessierte der Einladung der grünen Ratsfraktion zum dritten Stadtspaziergang in diesem Jahr gefolgt, um mit Architekt Jörg Thorissen geglückte und noch ausstehende „Reparaturen“ in der nordwestlichen Innenstadt zu betrachten.Thorissen und die planungspolitische Sprecherin der Grünen, Heidi Matthias, sind sich einig: Bei genauer Betrachtung ist Krefeld viel schöner als gemeinhin behauptet, allerdings stechen die vielen Stellen im Stadtbild, die einer Überarbeitung bedürfen, ebenfalls ins Auge. Gleich beim Treffpunkt am süd-östlichen Zipfel des Stadtgartens, Ecke St. Anton Str. ist auch schon die erste Stadtbildreparatur zu besichtigen: Seit Kriegsende war hier an der Ecke Steinstraße/ St. Antonstraße eine unschöne Lücke, die erst im Jahre 2014 durch ein von Thorissen geplantes 50+ Mehrfamilienhaus geschlossen wurde. Das Gebäude vervollständigt jetzt die Einrahmung des Stadtgartens. Obwohl an der verkehrsreichen St. Anton Str. gelegen, bietet der L-förmige Grundriss Rückzugsmöglichkeiten mit Balkonen für die BewohnerInnen, das gläserne Treppenhaus ermöglicht maximale Belichtung, auf der Erdgeschossebene werden PKWs- und Fahrräder geparkt, die Wohnungen beginnen in der 1. Etage.


Trotz strömenden Regen ziehen die StadtspaziergängerInnen unbeirrt weiter entlang der Steinstraße in südliche Richtung, vorbei an der ehemaligen Schirmfabrik in gelber Backsteinoptik, die vor mehr als 10 Jahren von Architekt Brünsing zum schmucken Mehrfamilienhaus umgebaut wurde. Das nächste Ziel: der Blumenplatz. Die dort nach dem Krieg als Notkirche errichtete, jahrelang leerstehende Norbertuskirche wurde 2013 zum Wohnhaus – ebenfalls von Thorissen konzipiert. Die ursprüngliche Planung, die u.a. ein Café oder Begegnungsraum im Erdgeschoss vorsah, wurde leider vom Investor aufgegeben. Geblieben ist die Anmutung des sakralen Bauwerks mit dem ehemaligen Chor; beidseitige Säulenreihen tragen nun das zweite und dritte Stockwerk, so dass 24 Wohneinheiten zwischen 60 und 90 qm Platz finden. Wenngleich die Wohnungen öffentlich gefördert wurden, ist der einstige Gedanke eines Mehrgenerationenprojektes mittlerweile verloren gegangen. Statt die früher vorhandene Eingangsfront zum Platz hin, verschließt sich das Gebäude vor dem inzwischen entstandenen schönen Spielplatz mit bunten Klettergerüsten und Bänken. „Nun korrespondieren Bauwerk und Platz nicht mehr miteinander“, bedauert Heidi Matthias. Der (sparsame) Eingang für sämtliche Wohnungen wurde aus Kostengründen ganz nach hinten an die Ostseite verlegt. Auch die seitlich vorgesetzten Balkone ändern kaum etwas an der Abgeschlossenheit des Hauses ändern.

Weiter geht’s zur letzten Station zum Frankenring, wo auf dem früheren RWE Gelände gerade 163 Wohneinheiten entstehen. 2020/21 wird das sogenannte Prinzen-Carré die Lücken an der Prinz Ferdinand Straße, am Frankenring und an der St. Anton mit einer durchgehenden Blockrandbebauung schließen. Eine ausgesprochen wirkungsvolle Reparatur im Stadtbild, die künftig mehr als 350 Menschen neuen Wohnraum bietet. Die unvermeidlichen PKWs der Anwohner werden in der Tiefgarage verschwinden unter dem geräumigen, hoffentlich naturnah gestalteten Innenhof.