Offener Brief an Herrn Voss und Herrn Preen von der Initiative „Lasst dem Wiesenhof die Wiese“

Unberechtigter Angriff auf Heidi Matthias / Artikel vom 25.11.2019 RP

Wir waren in der besagten Sitzung des Planungsausschusses am 19.11.2019 dabei und sind entsetzt in welch abwertender und überheblicher Weise Frau Matthias in den Mund gelegt wird, ein Feindbild gegen Bürger aus Düsseldorf und Doppelverdiener aufgebaut zu haben.

Das ist in keinster Weise richtig! Wir können bezeugen, dass Frau Matthias lediglich richtigerweise dargestellt hat, dass das Baugebiet Wiesenhof lt. jetzigem Planungsstand zu einem Großteil aus Einfamilienhäusern besteht, die tatsächlich i.d.R. (wer hätte das gedacht?) von Familien bewohnt würden, in denen heutzutage i.d.R. beide berufstätig sind (was Frau Matthias überhaupt nicht gewertet hat, da es ja auch einfach eine Tatsache ist), 2 Autos nutzen (was im Gebiet Wiesenhof gar nicht anders möglich ist, es sei denn man arbeitet im Homeoffice) und entsprechend ihre Kinder dann auch zur Schule bringen müssen, weil fußläufig keine da ist. Macht man sich die Mühe und schaut sich tatsächlich in Neubaugebieten um, so sieht man tatsächlich viele Carports, Schottergärten (hatte die RP hierüber nicht letztens noch berichtet?) und natürlich Zuwege. Hierdurch wird lt. Frau Matthias Natur unwiderruflich zerstört. Was bitte ist falsch an dieser Aussage?

Die „Familie aus Düsseldorf“ wird ja eigentlich von unseren Krefelder Politikern ständig beschworen, die großen Handlungsbedarf sehen für Düsseldorfer Wohnraum zu schaffen. Frau Matthias hat von Familien aus Düsseldorf, Neuss oder Büderich gesprochen, da insbesondere dort der Wohnraum teurer ist. Das ist eine Tatsache und keine Wertung geschweige denn Abwertung der Düsseldorfer. Interessanterweise hat der OB von Düsseldorf Herr Geisel gesagt „Wenn die Menschen in der Stadt (Düsseldorf) eine Wohnung fänden, statt einpendeln zu müssen, verschwänden sogar Autos von den Straßen“ und „Wir werden in Düsseldorf sicher keine neuen Einfamilienhäuser bauen“..“ Wer eines will, muss also in eine Nachbarstadt ziehen“. D.h. man schafft in Düsseldorf mehr Wohnraum, aber in Mehrfamilienhäusern und glaubt, dass die Düsseldorfer dann lieber dort wohnen statt zu pendeln. Jeder Pendler weiß wie wahr das ist! Wir glauben nicht, dass es in Krefeld Vorbehalte gegenüber Zuziehenden aus umliegenden Städten gibt, warum denn auch? Die Frage ist natürlich, ob man unbedingt zur „Schlafstadt“ werden möchte, da die beschworene Innenstadtaufwertung nicht – wie Herr Preen behauptet – automatisch passiert. Die „Wiederbelebung“ der Krefelder Innenstadt ist eine Aufgabe von Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung, Stadtplanung, Gewerbetreibenden in der Innenstadt und nicht zuletzt unserer gewählten Politiker!

Im Übrigen sind wir der Ansicht, dass unsere Argumente und Bedenken zur Bebauung des Wiesenhofs und damit die Stimmen von über 4500 Bürgern nicht ernst genommen werden. Offene Fragen wie „Warum wird ein so hoher Wohnraumbedarf angegeben bei einem angenommen Leerstand in Krefeld von 6000-7000 Wohneinheiten, bspw. auch in den Wohnungen der stadteigenen Wohnstätte! Hier kann die Stadt/Wohnstätte selber für die Vermietung und die Beseitigung des Leerstands sorgen. Warum tut sie es nicht. Interessanterweise spricht die Wohnstätte von einem Bedarf an neuem Wohnraum in Höhe von 2000-2500 anstelle der immer genannten 6500 Wohneinheiten. Die Stadt hat 45 Wohngebiete in der Planung! Warum werden Planungen nicht einmal umgesetzt, damit tatsächlich Wohnraum entsteht statt neue Siedlungsflächen anzugehen? Düsseldorf scheint vieles besser zu machen als Krefeld: z.B. hat man lt. OB Geisel viele Industrieflächen für Wohnbebauung entsiegelt und dort neue Freiflächen geschaffen. Warum nimmt  Krefeld sich nicht hieran ein Beispiel statt Pferdekoppeln und Wiesen in einer typischen Niederrheinlandschaft zu versiegeln?

Herr Hengst sagte im Planungsausschuss, dass er unseren Vorwurf der rückwärtsgewandten Baupolitik nicht verstehen kann: hier bspw. auf Wikipedia / Bauen auf der grünen Wiese: „In den 1960er und 1970er Jahren setzte dann…..typischen Entwicklungen auf der „grünen Wiese“ mit Trabantenstädten ein“…..“ Spätestens seit dem Ende der 1990er Jahre jedoch hat sich der Trend zur grünen Wiese abzuschwächen bzw. mancherorts umzukehren begonnen….(hier scheint) der nicht unerhebliche Zeit- und Geldaufwand für die Mobilität zwischen „grüner Wiese“ und Stadt den Ausschlag (zu) geben.“ D.h. für uns eindeutig, dass das Bauen komplett neuer Siedlungen „auf der grünen Wiese“ ein Relikt der 60er/70er Jahre ist. Moderne Baupolitik setzt auf ressourcensparende Flächennutzung und auf Flächenrecycling. Gerne hören wir demnächst von innovativen und nachhaltigen Bauprojekten in Krefeld!

Bauen „auf der grünen Wiese“: nur weil es billiger und profitabler für den Investor ist? Auf Kosten von Umwelt und Natur? Und jetzt hat man durch die Schlammschlacht gegen Frau Matthias auch noch ein Ablenkungsmanöver von der rückwärtsgewandten Krefelder Baupolitik gefunden. Wie praktisch.

Wir sind gegen die Bebauung des Wiesenhof sowie anderer großflächiger Bebauungen von ökologisch wertvollen Flächen!

Initiative „Lasst dem Wiesenhof die Wiese“ – Barbara Schweikart