080/16 | Kommunaler Wohnraumbedarf: Verwaltung und IHK greifen zu hoch  

Nachdem auf einem IHK-Kongress aus seiner Sicht noch zunehmend unrealistische Prognosen zum Wohnraumbedarf in die Öffentlichkeit geraten sind, meldet sich Grünen-Ratsherr Daniel John zu Wort.

„Die Erwartungen der IHK, dass bis 2020 bis zu 8.000 Wohneinheiten in Krefeld geschaffen werden müssen, sind nicht nachzuvollziehen“, meint der Grüne. „Sie decken sich weder mit der aktuellen Wohnungsmarktbetrachtung der NRW-Bank noch mit der realen Einwohnerentwicklung der letzten Jahre. Aber auch die Verwaltung geht hier leider weiterhin von viel zu hohen Zahlen aus, die dringend einem Realitätscheck unterzogen werden sollten.“

Krefeld stehe vor keiner Neubau-, sondern einer massiven Umbau- und Sanierungsherausforderung. Die Haushalte würden statistisch zunehmend kleiner und älter; der Wunsch nach energie- und damit kostensparendem  Wohnen werde immer größer.

„Wer heute massiv auf den Neubau von Einfamilienhäusern auf unseren rarer werdenden Freiflächen setzt, der bringt damit den morgigen Wohnungsmarkt ins Wanken“, mahnt John. Es entständen Leerstandsprobleme, die sich selbst verstärkten und in der Folge auch die Bestandssanierung in allen Wohnungstypen unattraktiv machten. „In letzter Konsequenz führt eine Fehlsteuerung zu Schrottimmobilien, die ganze Quartiere und das Stadtbild in eine Abwärtsspirale bringen“, warnt John.

Attraktives Wohnen in gesunden Quartieren und ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort gehörten untrennbar und wechselseitig zusammen, vor allem dann, wenn man im demographischen Wandel Fachkräfte halten und anziehen wolle, so John weiter. Das aber werde bei Zielkonflikten leider nach wie vor viel zu wenig berücksichtigt.

„Auf dem Wohnungsmarkt gilt es, vor allem Anreize dafür zu schaffen, dass der vorhandene Bestand – ob selbstbewohnt oder vermietet – zukunftsfest gemacht wird“, fordert der Grüne. Die positive Einwohnerentwicklung der letzten Jahre sei dabei die große Chance, das strukturelle Leerstandsproblem in den Griff zu bekommen. Krefeld sollte diese nicht vertun.

„Die neuerliche Schaffung von Überkapazitäten durch verstärkten Neubau vor allem von Ein- und Zweifamilienhäusern wie in Fischeln Süd-West ist deshalb langfristig weder ökonomisch, ökologisch noch für das Stadtbild verträglich“ stellt John fest.

Gute Wohnungspolitik zeige erst langfristig Wirkung, Fehlentscheidungen seien deshalb umso fataler. Es gelte, den sensiblen Wohnungsmarkt, die Leerstandsquote und die Einwohnerentwicklung genau im Auge zu behalten, um Krefeld nachhaltig zu stärken.

„Die von Verwaltung und IHK geforderte Planungs-Gigantomanie birgt hier erhebliche Gefahren. Wenn wir aber fein justieren und die richtigen Anreize schaffen, liegt in der aktuellen Entwicklung allerdings eine große Chance. Wenn moderater Bedarf nach mehr Wohnungen besteht, sollten wir diesen prioritär für die Entwicklung gut erschlossener Brachflächen und Baulücken nutzen. Aktuelle Pläne wie auf dem Kasernengelände oder im Bereich der alten Feuerwache sind hier gute Beispiele“, so John abschließend.