Lebensräume für Flora und Fauna in der Stadt

Warum naturnahe Gärten immer wichtiger werden

Für Insekten aller Art wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, Nahrung und Lebensräume zu finden. Zunehmende Flächenversiegelung, intensive Landwirtschaft, Pestizide, allgemeine Umweltverschmutzung u.a. haben in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass unsere Insektenpopulation um 80 % zurückgegangen ist (Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld).

Wie wir von Imkern erfahren, bieten mittlerweile innerstädtische Gärten mehr Nahrung für Bienen als Ackerflächen. Insofern kommt allen kleinen und großen Grünbereichen in der Stadt eine größere Bedeutung zu. Wenn alle Gärten, Vorgärten, Grünflächen und Balkone naturnah mit möglichst vielen verschiedenen Blühpflanzen und giftfrei gestaltet würden, könnten wir mit dazu beitragen, das heimische Artensterben aufzuhalten.

Insekten sind ein wichtiger Bestandteil des empfindlichen Ökosystems. Wenn es keine Insekten mehr gibt, wird es bald auch keine Vögel, keine Fledermäuse und keine Früchte mehr geben.

Artenreiche Gärten sind Bienenweiden

Neben den Honigbienen ernähren sich vor allem auch Wildbienen (es gibt rund 560  Wildbienenarten in Deutschland) von Nektar und Pollen. Bei der Nahrungsaufnahme bestäuben sie gleichzeitig die Blüten und ermöglichen damit den Frucht- und Samensatz der Pflanzen und schaffen damit wieder die Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere. Für ihr Überleben brauchen sie in der Vegetationszeit ständig Futter. Deshalb sind artenreiche Staudengärten, die von Frühjahr bis Herbst Blüten hervorbringen, so wichtig. Für viele früh fliegenden Insekten sind Frühblüher wie Schneeglöckchen, Buschwindröschen oder Narzissen sehr wichtig. Neben ihrer Funktion als unverzichtbares Glied in der ökologischen Nahrungskette sind blühende Flächen natürlich auch Augenweiden für uns Menschen. Ein artenreicher Garten kann uns das ganze Jahr über erfreuen.

Anregungen dazu finden Sie u.a. im Botanischen Garten (Pflanzenbörse, Führungen, etc.) und beim NABU

Bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Garten (Infos des Bundesministeriums für Ernährung und  Landwirtschaft)

Trockenmauern

Nur mit Sand aufgesetzte Natursteinmauern sehen nicht nur schön aus, sondern sie bieten auch Unterschlupf für verschiedene Tiere und Insekten. Solche Trockenmauern an sonnigen Standorten eignen sich sehr gut für die Anlage von Kräuterspiralen oder Hochbeete. Die natürlichen Ritzen und Spalten sind optimal für niedrigen Pflanzenbesuch wie  Polsterstauden und Kräuter (Blaukraut, Filziges Hornkraut, Sand-Thymian etc.)

Hier einige Anleitungen zum Bau von Trockenmauern:

Wilde Ecken

Die einfachste Maßnahme, Lebensraum für Insekten zu schaffen ist es, einfach mal eine Fläche Rasen wachsen und Gräser, Klee, Wildkräuter und Brennnesseln sich entwickeln zu lassen.

Hecken

Heimische Wildsträucher wie Holunder, Haselnuss, Wildrose bieten einer Vielzahl von Tieren wie Vögeln, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen, Eichhörnchen Schutz, Nahrung und Lebensraum. Am besten zweireihig versetzt anordnen, alle paar Jahre außerhalb der Vogelbrutzeit zur Verjüngung zurückschneiden.

Natur auf kleinstem Raum

Auch in kleinen Gärten und auf Balkonen gibt es Möglichkeiten, Lebensraum für die Tierwelt zu schaffen, z.B. mit Kletterpflanzen (Weinrebe, Efeu, Geißblatt) und Stauden, Zwiebelgewächsen und Kräutern in Kübeln.

Saison-Start: Die wichtigsten Gärtner-Tipps für Ihren Naturbalkon

Fassaden und Dächer begrünen

Mit Efeu, wildem Wein, Goldregen oder anderen Kletterpflanzen begrünte Hauswände sind beliebte Aufenthaltsorte vor allem für Vögel, schaffen aber auch Nahrung für eine Vielzahl von Insekten. Welche Pflanzen besonders insektenfreundlich sind, ist in jeder guten Gärtnerei zu erfahren. Eine Möglichkeit, einen kleinen Ausgleich für bebaute und damit versiegelte Flächen zu schaffen, ist die Begrünung von Dächern. Dazu eignen sich hauptsächlich Flach- oder Pultdächer.  Auch eine nachträgliche extensive Begrünung von Gebäuden sowie Garagen, Carports, Fahrrad- oder Mülltonnenunterständen  ist durchaus möglich, die Kosten dafür sind überschaubar. Die positiven Auswirkungen für Schmetterling und Co erleben Sie im ersten Frühsommer nach der Einsaat. Mehr zu Dachbegrünung finden Sie hier.

Insektenhotels

Viele der wild lebenden Bienen benötigen Erd- und Baumhöhlen für ihre Nester. Wenn sie den Wildbienen Nisthilfen bieten wollen, so sollten die „Insektenhotels“ höchstens 300 m von Nahrungspflanzen entfernt, stets in Südrichtung fest angebracht werden. Für hölzerne Nisthilfen eignen sich gut abgelagerte Harthölzer (Esche, Buche,Rubinie, Obstbäume, kein Fichtenholz). Die Bohrlöcher sollten möglichst tief an der Längsseite des Stammes angebracht werden und zwischen 2 – 7 mm stark sein (die meisten Wildbienen sind sehr klein). Die Abstand der Löcher voneinander sollte ca. 1- 2 cm sein. Damit die Biene sich bei der Eiablagerung nicht verletzt, sollten die Bohrlöcher mit feinem Schleifpapier nachgearbeitet und von Splittern befreit werden.

Bei Insektennistplätzen in Röhrchenkonstruktion sollten die Röhrchen möglichst aus Bambus (Länge: ca. 10- 15 cm, Breite: 2 – 7 mm) sauber geschnitten, an einer Seite geschlossen und in Gips oder Mörtel befestigt werden, damit Vögel die Röhrchen nicht herausziehen können.

Tipps für Nisthilfen

 

Mehr zum Thema Naturnahes Gärtnern

  • „Natur für jeden Garten“,  Reinhard Witt, Naturgarten-Verlag
  • „Natur und Garten“, Heft 3/2015
  • „Die schönsten Pflanzen für Bienen und Hummeln“, Ursula Kopp
  • „Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen“, Werner David

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